Brief eines Scheidungskindes
Meine liebe Mama, lieber Papa,
heute schreibe ich Euch diesen anonymen Brief, um besser loslassen zu können und weil all die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, die in mir noch immer stecken, einfach gesagt werden müssen. Es ist schwer für mich, alles in Worte zu fassen, aber ich hoffe, dass Ihr versteht und erkennt, wie sehr mich Eure Trennung und alles, was danach kam, geprägt, verletzt und innerlich fast zerrissen hat.
Ich erinnere mich, wie alles damals auseinanderfiel.
Es war, als hätte jemand den Boden unter meinen Füßen weggezogen. Ihr wart für mich doch mein Fundament, meine Sicherheit und die wichtigsten Menschen im Leben. Als Kind habe ich Euch immer als untrennbar wahrgenommen – Ihr wart „Mama und Papa“, als Einheit, mein Universum. Und dann brach plötzlich alles in Stücke. Für mich war das wie ein Sturm, der alles mit sich riss, und ich blieb mitten in diesem Chaos stehen, völlig hilflos, gefühlt allein gegen all die Macht, die auf mich einfiel – ohne zu verstehen, was da passiert. Und WARUM?
Ich war so enttäuscht. Von Euch beiden.
Von Dir, Papa, weil Du so oft nicht da warst. Du warst irgendwie immer beschäftigt, abwesend – und wenn Du da warst, gab es oft Streit. Ich hätte mir gewünscht, dass Du Dich mehr bemüht hättest, dass Du wirklich präsent gewesen wärst und bist, dass Du mich ansiehst und fragst: Wie geht es Dir denn wirklich? Aber stattdessen warst Du schon immer wie ein Schatten, immer in Bewegung, aber nie greifbar. Emotional unerreichbar nennt man das, wie ich gelernt habe. Und wenn Du mich abgeholt hast, gab es immer Ärger mit Mama, weil du dich ihr gegenüber echt unmöglich benommen hast und sie sich das nicht gefallen ließ.
Ich werde diese lauten Streitereien und all die harten Worte zwischen Euch nie vergessen. Es hat mich innerlich zerrissen. Diese Bilder sitzen in meinem Kopf wie festgebrannt. Sie tun immer noch weh. Ich bin froh, dass ich das jetzt nicht mehr erleben muss, weil ich alt genug bin , um euch selbst zu besuchen.
Und Mama, Du hast so viel geschafft. Du warst stark, ja, aber ich habe auch gesehen, wie sehr Dich alles belastet hat. Du warst erschöpft, müde, oft gereizt, weil Du alles immer oder meistens alleine stemmen musstest. Ich verstehe das jetzt besser als damals, aber damals als Kind, habe ich einfach nur gespürt, dass Du oft keine Zeit für mich hattest. Oder genervt von mir warst. Deine Ruhe haben wolltest und sicher auch gebraucht hast.
Trotzdem…Ich war ein Kind, euer Kind, Leute und ihr habt mir das Gefühl gegeben, dass ich nirgends mehr so richtig dazugehöre. Ich fühlte mich so oft alleine. Ich habe es Dir, Mama, nicht übel genommen, Du hast Dich immer so um mich bemüht, mir so oft eine Freude gemacht und, wenn es hart auf hart kam, dann warst Du trotz allem immer oder meistens für mich da….aber ich habe es vermisst – diese Momente, in denen Du ohne Sorgen bei mir bist, in denen Du mich einfach in den Arm nimmst und mir sagst: Es wird alles gut. Ich habe Dich lieb.
Ich hatte so viele Ängste und Sorgen.
Ich wusste nie, was als Nächstes kommt. Würdet Ihr wieder streiten? Würdet Ihr mich vergessen, weil Ihr so sehr mit Euren eigenen Problemen beschäftigt wart? Umgangsrecht, das ständige Hin und Her. Ich fühlte mich wie ein Koffer, den man zwischen Euch hin- und herschiebt, ohne zu fragen, wie ich mich dabei fühle. Und nicht wie ein Kind, das man lieben und gut behandeln sollte. Manchmal dachte ich sogar, ich müsste entscheiden, wen von Euch ich mehr lieben soll, eine stille Forderung von Euch beiden – oft dachte ich, Eure Trennung wäre vielleicht auch meine Schuld. Weil ich schwierig war. Ich weiß jetzt natürlich, dass das nicht stimmt, aber als Kind konnte ich diese Gedanken nicht loswerden.

Was ich mir damals gewünscht hätte?
Oh, so vieles. Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr mich mehr einbezieht, dass Ihr mir erklärt, was passiert, ohne mich zu belasten. Dass Ihr Euch zusammensetzt und sagt: Wir lieben Dich, auch wenn wir uns nicht mehr lieben können. Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr respektvoller miteinander umgeht. Dass ich keine lauten Stimmen, Geschrei und böse Worte hören muss, keine Beleidigungen, kein aggressives Verhalten. Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr beide Zeit für mich findet – echte Zeit, nicht zwischen Tür und Angel.
Ich hätte vor allem jemanden gebraucht, der mich in meinen Gefühlen auffängt. Der mir sagt, dass es okay ist, traurig zu sein, wütend, enttäuscht. Der mir zeigt, dass es nicht meine Aufgabe ist, stark zu sein, sondern dass es Eure Aufgabe ist, mich zu schützen. Ich wollte nicht, dass Ihr perfekt seid, ich wollte nur, dass Ihr für mich da seid.
Heute, Jahre später, trage ich noch immer viele dieser Verletzungen in mir.
Ich merke es daran, wie schwer es mir fällt, Vertrauen aufzubauen, wie ich in Beziehungen oft Angst habe, verlassen zu werden. Manchmal höre ich noch Eure Streitereien in meinem Kopf. Manchmal fühle ich diese Ohnmacht von damals, wenn ich an schwierige Situationen denke. Ich will das alles hinter mir lassen, aber es ist, als wären diese Erinnerungen ein Teil von mir geworden.
Ich schreibe Euch das nicht, um Vorwürfe zu machen, sondern weil ich hoffe, dass Ihr versteht, was damals mit mir passiert ist – und immer noch passiert. Vielleicht hilft Euch dieser Brief, mich besser zu sehen, nicht nur als Kind, sondern als Mensch, der durch Eure Entscheidungen tief geprägt wurde.
Und dass wir wieder besseren Kontakt zueinander finden, also ich zu meinen Eltern, die Ihr nun mal seid und ein Leben lang bleibt. Ich wünsche mir, dass wir heute, in der Gegenwart, einen Weg finden, der besser ist. Ich wünsche mir, dass Ihr ehrlich zu mir seid, dass Ihr meine Gefühle anerkennt, dass wir über alles reden können – ohne Streit, ohne Vorwürfe, sondern mit Respekt und Verständnis. Ich wünsche mir, dass wir aus dem, was war, lernen können.
Ihr seid meine Eltern, und trotz allem liebe ich Euch. Ich denke, Ihr habt gegeben, was Ihr damals konntet. Aber ich hätte mehr gebraucht, um gesund zu bleiben. Ich möchte, dass wir alle heilen können. Ich will nicht mehr in den Schatten der Vergangenheit leben.
Euer X.
Coaching bei Trennung und Scheidung für Mütter
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